Klangexperimente mit Selbstdarstellungstendenzen: Der Flamenco des Israel Galván

LA FIESTA – Das Fest nennt Israel Galván seine neueste Inszenierung, die am Festspielhaus St. Pölten zur Uraufführung gelangt. Sie ist zugleich der Abschluss des Flamenco-Schwerpunkts des Hauses im Kulturbezirk. Dabei sollte der Einfluss von zeitgenössischem Tanz auf den Flamenco ausgelotet werden und die Frage, was wiederum der Flamenco dem zeitgenössischen Tanz bringt. Doch gelingt dem spanischen Choreographen diese Annäherung?

LA FIESTA – Das Fest nennt Israel Galván seine neueste Inszenierung, die am Festspielhaus St. Pölten zur Uraufführung gelangt. Sie ist zugleich der Abschluss des Flamenco-Schwerpunkts des Hauses im Kulturbezirk. Dabei sollte der Einfluss von zeitgenössischem Tanz auf den Flamenco ausgelotet werden und die Frage, was wiederum der Flamenco dem zeitgenössischen Tanz bringt. Doch gelingt dem spanischen Choreographen diese Annäherung? © Annette Hauschild

Mit sieben, hochkarätigen Mitstreitern malt Galván ein abstraktes Abbild einer Fiesta Flamenca. Durchaus auch mit Humor. Beispielsweise, wenn sich Sänger El Nino de Elche nach einem angedeuteten Fressgelage stöhnend den Bauch hält. Immer nachdrücklicher werden seine leidenden „Aaah's“ – da mischt sich plötzlich eine zweite Melodie hinein, charakteristische Klatschlaute beginnen durch den Raum zu flattern. Das Lamentieren des Angegessenen verwandelt sich zu einem zeitgenössischen Kontrapunkt im Klanggefüge. 
Generell überraschen die durchdachten musikalischen Fusionen. Arabischer Gesang und Jazzballaden treffen auf Uchis traditionellen und doch ungewöhnlichen Sprechgesang. Die lautmalerischen Kommentare der waschechten Gitana entfalten, oft im Duett mit der energiegeladenen Stimme de Elches, ungeahnte Ausdruckskräfte.
Die Musik bleibt durchgehend das tragende Element der Inszenierung. Facettenreich und mehr als exakt im rhythmischen Zusammenspiel überzeugt jede_r Einzelne des genreübergreifenden Ensembles.

Definitiv bringt Galván dem zeitgenössischen Tanzpublikum den Flamenco näher, dem zeitgenössischen Tanz selbst nähert er ihn jedoch kaum an. Choreographisch verschmelzen die beiden Stile nur in einem einzigen, sehr kurzen Solo der Performancekünstlerin Minako Seki. Die Japanerin beobachtet mit distanziertem und hinterfragendem Blick die von ihr zeitgleich ausgeführten Bewegungen. Auf diese Weise bricht sie mit dem tradierten Ausdruck des Flamenco. 
Wo der Choreograph selbst tanzt, verändert er den herkömmlichen Gestus bedauerlicherweise nicht. Seine Interpretation setzt sich durchwegs aus klischeebehafteten stolzen Posen zusammen – egal ob stehend getanzt oder liegend. Das führt im zweiten Abschnitt des Stückes zu einem traurigen Höhepunkt der machistischen Selbstdarstellung.

Beleuchtet von einem warmen, schummrigen Lichtkegel versammeln sich alle Musiker zu einer Art gemeinsamen Klangexperiment, den Flamenco-Stil musikalisch auszuloten. Ganz pur, ohne sonstige theatrale Hilfsmittel… Doch Galván in ihrer Mitte scheint kein Halten zu kennen, immer und immer wieder setzt er mit nachdrücklichen Stampfschritten zu einem neuen Bogen an. Was anfänglich die Aufmerksamkeit der Zuhörer_innen auf subtilere Ebenen lenkt, wird mehr und mehr zu reinem Selbstzweck. Spätestens wenn der Tänzer nur noch sein ohnehin nicht angezweifeltes Können mit drei-, vier-, fünffachen Pirouetten zur Schau stellt, ist der passende Abschlussmoment endgültig verstrichen.

Veröffentlicht von Monika Demmer

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