Von der Interaktion zwischen Menschen und Räumen

Österreich-Premiere von Sidi Larbi Cherkaouis "Noetic" und Saburo Teshigawaras "Metamorphosis" im Festspielhaus St. Pölten.

Österreich-Premiere von Sidi Larbi Cherkaouis "Noetic" und Saburo Teshigawaras "Metamorphosis" im Festspielhaus St. Pölten. © Bengt Wanselius

30 APR 2016 Sidi Larbi Cherkaoui . Saburo Teshigawara: Spirit

Die Frage nach dem existenziellen Menschsein – das ist das verbindende Element der beiden Choreographien am Doppelabend „Spirit“. Die GöteborgsOperans Danskompani gab zwei Werke unter der Federführung des flämisch-marokkanischen Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui und seinem japanischen Kollegen Saburo Teshigawara zum Besten. Ein wahres Feuerwerk erwartete das Publikum im Festspielhaus St. Pölten.

Der Gong einer Trommel, ähnlich einem Donnergrollen, kündigt den verheißungsvollen Beginn von Sidi Larbi Cherkaouis Choreographie „Noetic“ an. Die GöteborgsOperans Danskompani betritt anmutig die Bühne. Diesem Stil bleibt sie auch in ihrer weiteren Performance treu. Mit ihren sanften und graziösen Bewegungen zieht sie in ihren Bann. Von den natürlichen Verbindungen und der Interaktion zwischen Menschen war Cherkaoui schon immer begeistert. Seine Faszination spiegelt sich in seiner Choreographie wieder. Im Gleichklang und voller Leidenschaft bewegen sich die Tänzer, vergleichbar mit einem Vogelschwarm, der seine Kreise durch einen strahlenden Frühlingstag zieht.

Doch die Interaktion beschränkt sich nicht nur auf das Menschliche. Vielmehr dehnt sie sich auf das Räumliche aus. Für das Bühnenbild zeichnet der bildende Künstler Antony Gormerly verantwortlich. Mit silbernen, glänzenden Stäben formen die Tänzer akribisch lange, gerade Linien. Ihre Bewegungen fallen mechanisch aus. Plötzlich formen sie mit den biegsamen Stäben Kreise. Ihre Bewegungen werden sanfter und fließender. Diese Interaktion mit dem Raum und den Formen ist charakteristisch für „Noetic“.

Düster eröffnet Saburo Teshigawaras Part „Methamorphosis“. Zusammengekauert liegen die Tänzer auf dem Boden. Im Hintergrund schwingen Eisenspiralen unruhig hin und her, als würden sie ihre Balance finden wollen. Ein Zustand, der sich in der Choreographie wiederspiegelt. Die Kompanie scheint ihr inneres Gleichgewicht gefunden zu haben, sie richtet sich auf, nur um zu fallen und wieder aufzustehen.

Die Tänzer und die elektrisierende Musik – harte, dröhnende und durch ihre Intensität mitreisende Klänge - verschmelzen zu einer Einheit. Als ob Stromschläge ihren Körper durchströmen, reflektieren sie die musikalischen Impulse – und das mit einer unglaublichen Körperbeherrschung.

39 Tänzer aus 17 Ländern – das galt es an diesem Abend zu vereinen. Die Vereinigung ist mehr als geglückt. Die Kompanie hat ihre eigene tänzerische Sprache gefunden. Wie beeindruckend diese ist, zeigte der tosende Applaus des Publikums.

Veröffentlicht von Birgit Samer

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