Victor Morales
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Victor Morales
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... im Gespräch mit Joachim Schloemer
JS: Bitte gib uns eine kurze Zusammenfassung Deiner bisherigen künstlerischen Laufbahn?
VM: Ich komme aus Caracas in Venezuela, wo ich schon mit 14 Jahren
begonnen habe, am Theater zu arbeiten. Ich habe Rechtswissenschaften
studiert, gleichzeitig aber schon während meiner Universitätszeit bei
mehreren Stücken an der Universität Regie geführt. 1991 bin ich nach
New York gegangen. Dort habe ich zunächst begonnen, Regie zu studieren,
mich dann aber umorientiert und als Masters on Arts on Technology an
der New York University graduiert. Nach meinem Studium habe ich für die
Wooster Group als Video Assistent für Chris Kondek gearbeitet. Aus
wirtschaftlichen Gründen und durch Probleme mit meinem Visum habe ich
im Anschluss meinen Weg in die kommerzielle Welt gefunden, wo ich als
2D/3D Animator und Designer für das Fernsehen gearbeitet habe. 2001 bin
ich nach Berlin gegangen, um mit Chris Kondek an einem Theaterstück als
Darsteller und Designer zu arbeiten, daraus haben sich viele
experimentelle Theaterprojekte mit Künstlern aus New York und Europa
ergeben. 2004 habe ich aufgehört, als kommerzieller Designer zu
arbeiten und begonnen, mich für Video Game Modifications zu
interessieren – zunächst nur als Hobby, heute als Hauptbeschäftigung.
In den letzten Jahren habe ich versucht, Computer als ein
Ausdrucksmittel in Performances einzusetzen, dazu verwende ich
Videospiele und andere Realtime-Video- und Bildbearbeitungssoftware.
JS: Kannst Du Deine Arbeitsweise beschreiben?
VM: Ich erlerne andauernd neue Design- und Programmierfähigkeiten
für die von mir eingesetzten Programme. Etwas, das ich immer suche,
sind Fehler in der Software. Diese Fehler und Bugs öffnen den Weg in
eine surreale Welt, die allerdings weder ein Produkt der Fantasie noch
der Träume ist. ‚Maschinenfehler’ sind augenscheinlich nicht
menschlich, öffnen aber durch überraschende Bilder, Töne, Ideen und ihr
Verhalten ein Fenster zur Realität, das von Menschen gemacht ist, aber
nicht menschlich ist. Fehler sind oft dramatisch oder auch lustig – das
haben Menschen und Maschinen gemein. Diese Jagd nach den Bugs schlägt
sich in meiner Arbeit nieder. Ich vermeide die Visualisierung von
Projekten, bevor ich diese umsetze, ich beginne mit einem Konzept und
gehe in eine Richtung unter Berücksichtigung der Menschen und der
Maschinen mit, an denen ich arbeite – und versuche, durch das
Hinzufügen und Weglassen von Elementen in Raum und Zeit, die ‚Unfälle’
und Erkenntnisse einzufangen, die auf diesem Weg liegen.
JS: Du bist Artist in Residence der Saison 2009/10. Was bedeutet dieser Titel für Dich?
VM: Artist in Residence bedeutet für mich, Zeit und Raum zu haben,
Performances gemeinsam mit anderen Künstlern und Technikern zu
entwickeln. Performance-Kunst ist heute um einiges relevanter als sie
noch vor Jahrzehnten war. Live-Auftritte sind die beste Methode,
menschlichen Kontakt in einer Zeit der Virtualisierung zu schaffen, die
uns auf der einen Seite neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet, uns
auf der anderen Seite aber auch von der natürlichen und sozialen
Realität in unseren Städten und Straßen entkoppelt.
JS: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
VM: Ich bin vor kurzem nach Europa gezogen. Mein Hauptziel ist es,
eine Künstlergruppe zu finden oder gründen, mit der ich im Bereich der
Performance Kunst zusammenarbeiten kann.
Auftritte und Projekte als Artist in Residence 2009/10 im Festspielhaus St. Pölten:
Sa 26. September 2009 Joachim Schloemers Eröffnungsshow / Victor Morales' "Vogelstimmen" zu Olivier Messiaens "Un Sourire" bei vimeo Do 11. Februar 2010 Sunrise Reloaded Mi 24. Februar 2010 Laborpräsentation Barton, Bittová, Morales Sa 6. bis Sa 13. März 2010 Cyberlab Do 10. und Sa 11. Juni 2010 Play Zero
Auftritte und Projekte im Festspielhaus St. Pölten in der Saison 2010/2011:
Sa 9. Oktober 2010 Tod und das Mädchen Fr 15. Oktober 2010 Winterreise/Synthetische Landschaften
Web-Links
Victor Morales' videos on Vimeo Foto-Galerie Artist in Residence @ Festspielhaus