Die Reise beginnt
Das Festspielhaus St. Pölten ist ein Raum grenzenloser Fantasie, bekannter und unbekannter Hörräume, alter und neu zu entdeckender Welten. Genauso wie es Visionäres sichtbar macht, ist es jetzt und hier, real und greifbar. Es ist aneckend und widersprüchlich, zärtlich und einfühlsam, aufdringlich und bissig. Das sind wir auch, das sind wir alles - so heterogen, so widersprüchlich, so verbunden, so verliebt.
Zu einem Prozess der Bewusstwerdung und Wahrnehmungsförderung gehören für mich diese Facetten alle dazu und ich lege großen Wert darauf, Ihnen diesen Prozess im Verlauf der Spielzeit näher zu bringen. Das wird programmatisch damit beginnen, dass Sie verschiedenste KünstlerInnen in dieser und in den folgenden Spielzeiten in unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen wiederfinden werden: International anerkannte Künstlergruppen aus den Bereichen Musik und Tanz, ebenso wie unbekannte, neu zu entdeckende Künstlergruppen aus dem regionalen niederösterreichischen Kontext.
Wir werden Ihnen im Verlauf der Spielzeit mehrere neue Segmente präsentieren:
Expeditionen, Spielräume und Festivals. In den ersten beiden Bereichen werden Sie Werkzeuge der Wahrnehmung in die Hand bekommen, die den Vorgang des Entdeckens und Forschens möglich machen. Werkzeuge als Ressourcen, um sich komplexen künstlerischen Vorgängen zu nähern. Keine Angst, es geht nur um Werkzeuge, die Sie schon haben, teilweise nicht mehr benutzen und einfach wieder entdecken können. Wir verstehen uns in diesen Bereichen als Aktivierer, Verführer und Vermittler, weil wir daran glauben, dass es wichtig ist, miteinander Erfahrungen zu sammeln. Ein weiteres wichtiges Anliegen sind mir die Belange der Stadt St. Pölten, der nahen Region und die Bedürfnisse des Landes Niederösterreich. Das werden Sie im Spielplanverlauf anhand der verstärkten Jugendarbeit, der Partizipationsprojekte einiger KünstlerInnen und anhand der neuen Formate und Spielräume wie Box, Parkour und Café Publik erkennen können.
Nach intensiver Zeit der Vorbereitung freue ich mich, dass die Reise jetzt beginnen kann. Genauso wie es zu Beginn der Planungen vor einem Jahr für mich und das ganze Team des Festspielhauses galt, einander kennen zu lernen, so sind wir jetzt gespannt, Sie, unser Publikum, kennen zu lernen. Gegenseitiges neugieriges Entdecken, um gemeinsam in eine Richtung zu reisen. Ich würde sagen: Los geht’s auf das Tanzparkett des großen Schiffes Festspielhaus, auf dem wir alle reisen.
Joachim Schloemer