Altersbilder ändern

Lassen Sie uns das Alter bewusster neu denken – in Bildern vom Alter und vom Älterwerden, die auch die Potentiale dieser Lebensspanne beschreiben.
Joachim Gauck

©Flavio Ribeiro

Der gesellschaftliche Wandel ist offensichtlich: Die Menschen in Europa leben zunehmend länger, und insgesamt steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung an. Was sich nicht verändert, sind Vorstellungen über ältere Menschen: immer noch dominieren Vorurteile das Verständnis vom Alter. Ageism’ beschreibt die weitverbreiteten Diskriminierungserfahrungen, die Menschen aufgrund ihres Alters erleben. Die dominante Sicht auf das Alter ist die Bedrohung durch den geistigen und körperlichen Verfall. Doch welche Werte verkörpern alte Menschen für uns?
InsTanzen plus ermöglicht auf einfühlsame Weise dem Publikum gänzlich neue Sichtweisen auf das fortschreitende Altern und den Wert von Erfahrung stärker entwickeln.

InsTanzen plus im Festspielhaus

Der Produktionsprozess
Im Probenprozess erarbeiten die Tänzerinnen und Tänzer der Festspielhaus-Community „Tanz 60 plus“ gemeinsam mit deufert&plischke und Viviana Escalé ein choreografisches Skript. Die Choreographinnen vermitteln ihnen dabei konzeptuelle Arbeitsweisen: die Vorgehensweise besteht aus Prozessen des Erinnerns von Ereignissen des eigenen Lebens oder des Weltgeschehens, die aufgeschrieben werden. Durch die Weitergabe an andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer und das Reformulieren durch die Gruppe werden die entstehenden Texte „in Bewegung versetzt“.

Die Aufführung
Während eigene Erinnerungen und ganz persönliche Tanz- und Körpererfahrungen die Grundlagen für den ersten Teil des Abends bilden, steht der interaktiven Teilnahme anschließend nichts mehr im Weg. Zu den wohlbekannten Klängen von Strawinskis „Sacre“ entsteht unter Mitwirkung des Publikums ein neu- und einzigartiger Aktionsraum.
Dabei begeben sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Mitte des Bühnenraums und führen verschiedene Aktionen aus. Der Vollzug der Handlungsaufforderungen ist freiwillig; niemand wird zur Ausführung gedrängt. Aus den vielfältigen simultanen Bewegungen und Gesten ergibt sich eine hochkonzentrierte, vielschichtige Gesamtkomposition.

mi 24/01 InsTanzen plus

 

DANCE ON, PASS ON, DREAM ON

InsTanzen Plus ist Teil des großangelegten Projekts DANCE ON, PASS ON, DREAM ON, in dem sich neun bedeutende Europäische Tanzinstitutionen mit dem Problem der Altersdiskriminierung im Tanz und in der Gesellschaft auseinandersetzen.

Das Projekt umfasst drei Stränge:

DANCE ON präsentiert ein exemplarisches Modell für eine nachhaltige Tänzerkarriere. Eine neugegründete Compagnie für Tänzer über 40 entwickelt und tourt ein anspruchsvolles Repertoire von neuen Werken berühmter zeitgenössischer Choreographen, und stellt damit den Zeitpunkt in Frage, zu dem Tänzer sich normalerweise aus dem Berufsleben zurückziehen würden.
DANCE ON LOKAL hinterfragt klischeehafte Vorstellungen vom Alt-Sein und richtet sich an ältere Menschen vor Ort und in verschiedenen Städten. Mit LOKAL zielt das Projekt auf soziale und kulturpolitische Ziele: das Denken über alte Menschen in Bewegung zu versetzen. Hierzu positioniert sich DANCE ON als Partizipationsprojekt, das Ältere in künstlerische Produktionsprozesse einbezieht und zu generationsübergreifenden Begegnungen und Dialogen über soziale Schwellen hinweg einlädt. Die Teilnehmer zeigen, welchen Gewinn es bedeutet, ihren Schatz an Erfahrungen, Wissen und Können nicht verloren zu geben. Er muss nur sichtbar gemacht werden.

PASS ON erforscht, wie in einer flüchtigen Kunstform wie dem Tanz das Wissen von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Tanz-, Sport-, und Kulturwissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen des Projekts mit klassischen Formen des Wissenstransfers, während Tänzer, Choreographen und Künstler mit erfahrungsbasierten, performativen und neuen digitalen Dokumentationsmethoden experimentieren.

DREAM ON lädt ältere Menschen ein, sich zu bewegen, sich tanzend auszudrücken, und sich zu fragen, wie sie im Alter leben wollen. Lokale Tanz- und Partizipationsprojekte bringen verschiedene Generationen zusammen, geben älteren Menschen eine Stimme und öffnen Räume für neue Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen.

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