Alle Körper, die tanzen, sind wunderschön

Vierzehn Darstellerinnen und Darsteller, vierzehn Gloria(s), bezwingen ihre eigenen Erinnerungen und vereinen sich in einem vielstimmigen Tanz in „Gloria“ im Festspielhaus St. Pölten.

Vierzehn Darstellerinnen und Darsteller, vierzehn Gloria(s), bezwingen ihre eigenen Erinnerungen und vereinen sich in einem vielstimmigen Tanz in „Gloria“ im Festspielhaus St. Pölten.

Der für seine innovative Fusion verschiedener Kunstformen und Tanzstile bekannte französische Choreograf, Josè Montalvo, beschreibt den Produktionsprozess als „eine Art Hin und Her zwischen dem, was geplant war, und dem Unvorhergesehenen.“ Wie so oft in den vergangenen Jahren der Pandemie konnte Geplantes nicht umgesetzt werden. Ideen und Konzepte mussten verändert oder verworfen werden. Der unerwartete Rhythmus der Stückentwicklung und die unregelmäßigen Probenphasen haben letztendlich auch die Premiere im deutschsprachigen Raum strukturiert.

Musikalisch ist es der Flamenco der das Stück in weiten Teilen rhythmisch grundiert. Zudem vermischen sich Stile in den tänzerischen Sequenzen. Hip Hop, zeitgenössischer und klassischer Tanz vereinen sich ebenso wie Flamenco und Street Dance. Der Austausch und die Konfrontation der verschiedenen Stile untereinander ist charakteristisch für Montalvos Handschrift.

Visuell begleiten starke Bilder den Abend: TänzerInnen wie Tiere erscheinen als Hintergrundprojektionen in einem Papierboot. Ein Boot als Leitmotiv, als ein archetypisches Symbol, eine Metapher für das Leben und seine Stationen. So sind es biografische Stationen einzelner TänzerInnen, die herausgegriffen werden.  Nacheinander treten sie ans Mikrofon, um vom Ursprung ihrer Berufung zu erzählen. Von der individuellen Überwindung tradierter Körper-Bilder und idealisierter Vorstellungen in einem schonungslosen Beruf – Busen, die zu groß gewesen seien für eine Ballett-Karriere, ein erblindetes Auge oder eine zu zierliche Statur als vermeintliche Hürden um Profi zu werden. Montalvo präsentiert überzeugend, dass es kein einheitliches Muster gibt. Ihm gelingt mit „Gloria“ die Ehrung der Einzigartigkeit und Besonderheit seiner Tänzerinnen und Tänzer.

Fazit: Siebzig virtuose Minuten, die uns – entgegen aller Unsicherheiten dieser Zeit – daran erinnern, das Einfache zu schätzen, sich an das Gute zu erinnern. Der Abend schließt mit einer Verführung zu mehr Lebensfreude: „Gehen, laufen, frei sein. Füße auf die Erde – Gloria, wir!“

Cornelia Lehner

Veröffentlicht von Cornelia Lehner

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