Auf der Suche nach Freiheit und Wahnsinn in uns

Mit "ROOM – Sublimes Limites" von James Thierrée und der Compagnie du Hanneton ist es dem Festspielhaus St. Pölten erneut gelungen, ein international gefeiertes und künstlerisch relevantes Musik-/Tanztheater nach Österreich zu holen.

Mit "ROOM – Sublimes Limites" von James Thierrée und der Compagnie du Hanneton ist es dem Festspielhaus St. Pölten erneut gelungen, ein international gefeiertes und künstlerisch relevantes Musik-/Tanztheater nach Österreich zu holen.

ROOM. Ein Raum, ein ungewöhnlicher und widerspenstiger, steht im Zentrum der neuen Kreation von James Thierrée. Es ist ein leuchtender, rauer Ort mit einem eigensinnigen Geist, der immerfort verändert und anders bespielt werden will. Auf meterhohen Türen und Wänden liegt die Patina vieler Jahrzehnte, sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Sie kippen um, wechseln ständig ihren Platz, stellen sich neu zusammen. Die so entstehenden Räume entführen uns in eine imaginäre Vergangenheit. Die Verbindung ins Jetzt schafft der Schweizer Akrobat, Musiker und Schauspieler mit seinem 10-köpfigen Ensemble aus multitalentierten MusikerInnen und TänzerInnen. Er selbst verkörpert auf der Bühne mal einen Architekten, mal einen Regisseur, der diese Räume immer wieder neu inszeniert und eine traumähnliche Atmosphäre zaubert.

Spielerisch werden Realität und Fantastisches vermischt: ein Geigenkasten, der eine Tonne wiegt, sobald der herrische Theatermacher ihn bewegen will. In den Händen der zum Vorspielen antretenden Musikerin hingegen ist er leicht und fragil wie sie selbst. Ein Notenständer, in dem er sich die Finger einklemmt, der an ihm zu kleben scheint. Ein Sofa das Menschen verschluckt, ein golden glitzerndes Gürteltier, das Wände hochläuft.

Im Erzählen verzichtet Thierrée auf eine lineare Geschichte. Vielmehr verwebt er Circus, Theater, Tanz und eigene Songs zu einem faszinierenden Kosmos, mal melancholisch mal kraftvoll. Man spürt seine Liebe neue Welten zu schaffen, was ihm wohl regelrecht in die Wiege gelegt wurde: Der in Lausanne (Schweiz) geborene Enkel von Charlie Chaplin tourte mit den von seinen Eltern gegründeten Circusgruppen um die Welt.

"ROOM ist ein Stück, das im wahrsten Sinne des Wortes auf der Suche nach sich selbst ist“, so James Thierrée. Für das Publikum ist dieses Bühnenereignis betörendes Chaos und inspirierende Einladung zugleich, die eigenen Räume zu erforschen: Die Orte der Fantasie, des Ideenreichtums und des Wahnsinns in uns. Und wenn er in einem seiner letzten Songs eindringlich „I will blow your mind. Wake up… Wake up“ singt, ist es ein Versprechen, das er an diesem Abend einlöst.

Cornelia Lehner

Veröffentlicht von Cornelia Lehner

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