Solus Amor. Zwischen Himmel und Erde

Bence Vági spricht in Bildern, die man nicht so schnell vergisst. Man mag noch lange über Solus
Amor nachdenken und über seinen tiefen emotionalen und spirituellen Sinn.

Bence Vági spricht in Bildern, die man nicht so schnell vergisst. Man mag noch lange über Solus
Amor nachdenken und über seinen tiefen emotionalen und spirituellen Sinn.

Cirque Danse, ein neues Genre der darstellenden Kunst, präsentiert die Company Recirquel im Festspielhaus St. Pölten. Pandemiebedingt ist der Große Saal schütter besetzt. Umso größer ist die Freude! Geschichten von der Liebe zwischen Menschen, zur Natur, von Geburt und Tod zu erzählen, könnte jetzt nicht besser passen. Der Choreograf Bence Vági aus Budapest tut das in Solus Amor (Nur Liebe) mit einer Abfolge von Szenen, in denen Zirkusartistik und moderner Tanz eine Synthese eingehen und über die bisher künstlerisch denkbaren und machbaren Grenzen hinausgehen.

Ein tiefer, aus dem Urgrund der Schöpfung aufsteigender Ton trägt den kristallklaren Gesang einer Frau. Im Hintergrund fließen auf einer Leinwand fragile florale Formen zwischen Licht und Schatten hin und her. Die Komposition von Szirtes Edina Mókus und das Bühnendesign erzeugen eine spürbar magisch - mystische Stimmung.

Die sieben Künstler und drei Künstlerinnen beginnen ihre atemberaubende Performance. Einer trägt den anderen. Einer lässt sich in die Arme des anderen fallen. Mit großem Mut und im vollen Vertrauen fliegen sie durch die Luft und fangen einander auf. Funktional und hauteng sind die Kostüme. Koordination und Präzision der Akteure sind bewundernswert perfekt. Man folgt ihnen atemlos und sprachlos. Dann wieder ergreift die Poesie eines lyrischen Tanzes, so etwa, wie sich eine Frau und ein Mann der lebensgroßen Eisbär - Puppe nähern. Ein Tier und zwei Menschen begegnen einander tastend, fast zärtlich auf Augenhöhe. Auch ein kleiner Bär wird geboren. Neugierig schaut er in die Welt, hier, am Rand der Bühne ins Publikum. Später schlüpft, kaum zu sehen, aus dem großen Bären ein Mensch. Wie eine Larve fällt das Gerippe des Bären zusammen. Das Tier wird als körperlich - geistiges Wesen sichtbar.

Im Hintergrund ist das bewegte Design längst zum Stillstand gekommen. Eine Artistin vollbringt waghalsige Kunststücke auf dem Hochseil. Eine Frau schwebt wie ein Buddha im Lotussitz von der Decke und zieht Kreise in der Luft. Nur an ihrem Haarknoten hängt das Seil. Einzelne Szenen muten metaphysisch an, so auch die Ariel Silk Performance. Man denkt an die Liebe als die vierte, tragende Dimension. Am Ende gehen die Künstler gemeinsam, dem Licht zugewandt nach hinten von der Bühne.

Bence Vági spricht in Bildern, die man nicht so schnell vergisst. Man mag noch lange über Solus Amor nachdenken und über seinen tiefen emotionalen und spirituellen Sinn.

Friederike Kommer

Veröffentlicht von Friederike Kommer

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