Ein Appell zu Handeln

Akram Khan feierte mit „Jungle Book Reimagined“, einer Neuinszenierung von Rudyard Kiplings berühmter Erzählung „Das Dschungelbuch“, in St. Pölten Europapremiere. Wenngleich der hier verhandelte Stoff – jene tiefe Bedrohung, die der Mensch für die Natur darstellt – alles andere als Grund zum Feiern bietet. Gewidmet seiner Tochter und allen Kindern dieser Welt, ab 8 Jahren.

Akram Khan feierte mit „Jungle Book Reimagined“, einer Neuinszenierung von Rudyard Kiplings berühmter Erzählung „Das Dschungelbuch“, in St. Pölten Europapremiere. Wenngleich der hier verhandelte Stoff – jene tiefe Bedrohung, die der Mensch für die Natur darstellt – alles andere als Grund zum Feiern bietet. Gewidmet seiner Tochter und allen Kindern dieser Welt, ab 8 Jahren.

Etwa ein Dutzend Tänzer:innen verharren zusammengekauert am Boden. Es herrscht Stille, das Licht ist gedämpft, der Bühnenraum fast leer.

Lediglich ein paar gestapelte Kartonboxen rahmen die Situation. Vor ihnen, auf einer unsichtbaren Projektionsfläche, erzählen schlichte animierte Illustrationen von einer dystopischen Welt: Wogendes Meer, Menschen die verzweifelt versuchen sich an Floße zu klammern.

Weltberühmte Sehenswürdigkeiten, Symbole von Wohlstand und Kapitalismus, schwanken und drohen zu versinken. Aus diesem Eindruck des Weltuntergangs wird Mowgli regelrecht auf die Bühne gespült.

Mowgli, ein Findelkind, das in der Originalgeschichte bei Tieren im indischen Dschungel aufwächst und lernt, dass die Gesetze der Natur hart sind und das Leben ein hohes Maß an Verantwortung fordert. Akram Khan, Brite mit bengalischen Wurzeln und weltweit einer der innovativsten Tanzkünstler, holt diese Handlung ins Hier und Jetzt und verknüpft sie mit der Klimakrise.

Das Kind als einzig Überlebende in einer zerstörten Stadt freundet sich mit Bagheera, einem entführten weißen Panther und Baloo einem entflohenen Tanzbären an. Als sie versuchen Nahrung zu finden, wird Mowgli von ehemaligen Laboraffen gefangen genommen. All diese Tiere verkörpert die Akram Khan Kompanie mit großer Kunstfertigkeit. Im Tumult der Befreiung des Kindes fällt ein Schuss. Eines der Tiere wird tödlich verletzt, der gefürchtete Jäger hat seine grausame Jagd eröffnet.

Geprägt von einer einst sorglosen Kindheit entsinnt sich Mowgli der Bedeutung des Zusammenlebens von Mensch und Tier. Ihr gelingt es, der Grausamkeit des Jägers ein Ende zu setzen. Die schlichte visuelle Inszenierung und gefühlsbetonte musikalische Grundierung verstärken die erschütternde Brisanz des zugrundeliegenden Themas.

Fazit: Ist der 1. Akt bereits narrativ überladen, so bräuchte auch der 2. Akt nicht die mehrfache Wiederholung des Zitats „How dare you!“ der jungen schwedischen Klimaschutzaktivistin, Greta Thunberg. Es braucht wohl aber Stücke wie dieses, um auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes hinzuweisen und Menschen ins Tun zu bringen.

Cornelia Lehner

Veröffentlicht von Cornelia Lehner

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