Glorias Bauchnabel

Was zum Teufel haben wir da gesehen? Eine Tanzperformance? Einen Zirkus?
Eine Tragikomödie? Straßenartisten? Nackte Provokation? Nummernrevue?

Was zum Teufel haben wir da gesehen? Eine Tanzperformance? Einen Zirkus? 
Eine Tragikomödie? Straßenartisten? Nackte Provokation? Nummernrevue?

Die Antwort lautet: ja, all das! Und wissen Sie was? Jede Minute davon hat Spaß gemacht. Mir, den anderen BesucherInnen (die das Stück mit Standing Ovations und viel Mitmachfreude beendeten) und sichtbar auch den Tänzerinnen und Tänzern im Festspielhaus St. Pölten.

Man könnte sagen, dass es sich der Choreograf diesmal leicht gemacht hat, denn wer in José Montalvos „Gloria“ einen roten Faden sucht, sucht vergebens. Laut Presseaussendung geht es um Bodyshaming (ah, der dicke Flamencotänzer, check), Behinderungen (der halbblinde Breakdancer, check), aussterbende Tiere (Videoeinspielungen, check) Bauchnabel und Brüste (check, check) und um Spaß und Lebensfreude und den Versuch, dieser Scheiß Pandemie und den vielen anderen Problemen unserer Zeit für eine gute Stunde ein kräftiges „Leck mich“ entgegenzusetzen. Check.

Um das zu erreichen, kann Montalvo auf ein illustres und talentiertes Team von PerformerInnen zurückgreifen, das in dieser Show zeigen darf, was es draufhat: Afrikanische Tänze vermählen sich mit Bachs Präludium, Flamenco geht auch mit dem 80er-Jahre-Gassenhauer „Macarena“ und Cecilia Bartolis Stimme trägt durch ein wunderschönes, akrobatisches Pas de deux, das leider gegen die Übermacht der Videoeinspielungen ankämpfen muss -  zwei Menschen gegen 50m² animierter Elefant, das ist nicht fair.

14 Mitglieder hat die coronadezimierte Truppe, und alle sind ein Teil der titelgebenden Gloria, die dieser Welt nur ihren Tanz entgegenstellen kann. Nur? Den Abschluss bildet eine Hommage an Montalvos Mentorin Pina Bausch. Die Glorias tanzen und tanzen, und deswegen sind sie auch nicht verloren. Sondern erkennen, dass der Mensch nicht der Nabel der Welt ist. Eine einfache, aber ebenso wahre Aussage. Halleluja!

Wird diese Choreografie in die Tanzgeschichte eingehen? Sicher nicht – alleine schon, weil es in dieser Form nur von diesen DarstellerInnen getanzt werden kann. Und trotzdem, haben wir nicht jede einzelne Minute davon genossen? Ja, haben wir.

Marcus Jablonski

Veröffentlicht von Marcus Jablonski

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