Historischer Doppelabend im Zeichen von Pina Bausch

Pina Bausch zählt zu den bedeutendsten Choreograf:innen der heutigen Zeit und ihr Pioniergeist lebt auch nach ihrem Tod weit über ihre konzipierten Tanzstücke hinaus. Besonders die Menschlichkeit war die übergeordnete Essenz ihrer Inszenierungen und gerade dieser Geist ist bei der Premierenvorstellung im deutschsprachigen Raum von „Das Frühlingsopfer“ und „common ground[s]“ im Festspielhaus St. Pölten spürbar.

Pina Bausch zählt zu den bedeutendsten Choreograf:innen der heutigen Zeit und ihr Pioniergeist lebt auch nach ihrem Tod weit über ihre konzipierten Tanzstücke hinaus. Besonders die Menschlichkeit war die übergeordnete Essenz ihrer Inszenierungen und gerade dieser Geist ist bei der Premierenvorstellung im deutschsprachigen Raum von „Das Frühlingsopfer“ und „common ground[s]“ im Festspielhaus St. Pölten spürbar.

Common ground[s] – Das Zusammenfinden zweier Szenegrößen

 Den glorreichen Abend eröffnen Germaine Acogny und Malou Airaudo mit ihrem gemeinsamen Stück „common ground[s]“, in dem ihre dunklen Silhouetten den wohlig-warmen Farben eines Sonnenuntergangs entgegenblicken, die den kompletten Saal erfüllen. Augenblicklich werden die Zuseher:innen entführt in die Weiten Senegals wo sich Germains Tanzzentrum, die „École des Sables“ befindet und wo die Performance ihren Anfang fand. Es ist das wortwörtliche Zusammentreffen zweier über 70-jähriger Tänzerinnen, die nicht nur auf eine lange erfolgreiche Karriere zurückblicken können, sondern auch prägende Gemeinsamkeiten entlang des Lebensweges finden. So gestaltet sich die langsame Inszenierung zum Austausch über das eigene Leben und besticht vor allem durch den Blick zurück in die Vergangenheit, die zärtlich-liebevollen Momente und dem stetigen sich Entfernen und Annähern zweier Personen.

Das Frühlingsopfer – die afrikanische Interpretation von Pina Bauschs Inszenierung

 Nach den Umbauarbeiten des Bühnenbildes wird der Doppelabend mit „Das Frühlingsopfer“ fortgesetzt und sofort breitet sich der Geruch nach braunem Torf, der die Tanzfläche lückenlos bedeckt, im ganzen Saal aus. Hinter der erstmaligen Aufführung dieses Stückes in der Pina Bausch Inszenierung durch afrikanische Tänzer:innen liegt ein über zwei Jahre andauernder Prozess. Aus über 200 Bewerbungen wurden am Ende 38 Personen aus vierzehn afrikanischen Ländern ausgewählt, um sich den herausfordernden Bewegungen mit der Musik von Igor Strawinski („Le Sacre du Printemps“) zu stellen.

Im Stück wird die Geschichte einer auserwählten Frau erzählt, die am Ende ihren Tod durch Erschöpfung im Tanz findet. Die Bewegungen symbolisieren rohe Gewalt, die Szenerie  gleicht teilweise einem Schlachtfeld der Wut und Angst. Diese innere Unruhe spiegelt sich auch deutlich in den dramatischen Gruppenformationen und den abgehackten brutalen Bewegungen. Im Mittelpunkt der Choreografie steht ein rotes Kleid, das von Beginn an die Szenerie prägt und durch die Signalfarbe das drohende Unheil voraussagt. Die bedingungslose Hingabe aller Tänzer:innen bei diesem physisch sehr anspruchsvollen Stück bewahrheitet sich spätestens als der Haupttänzerin gegen Ende der Träger des roten Kleides reißt, diese jedoch unbeirrt mit entblößter Brust ihren Todestanz zu Ende führt. 

Ein denkwürdiger Abend im Festspielhaus St. Pölten, der nicht nur sensationelle Tänzer:innen hervorbringt, sondern auch POC’s einen wohlverdienten Raum auf den sonst sehr weißen Bühnen des Tanztheaters gibt.

Magdalena Bauer

Veröffentlicht von Magdalena Bauer

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