Leben und Sterben, frei nach Pina Bausch

Ein Tanz-Spektakel des Lebens und des Sterbens im Festspielhaus St. Pölten: Der Doppelabend „Common Ground[s]“ /„Das Frühlingsopfer“ zeigt den ZuschauerInnen die Universalität menschlichen Empfindens.

Ein Tanz-Spektakel des Lebens und des Sterbens im Festspielhaus St. Pölten: Der Doppelabend „Common Ground[s]“ /„Das Frühlingsopfer“ zeigt den ZuschauerInnen die Universalität menschlichen Empfindens.

Der erste Teil, „Common Ground[s]“, mutet wie ein Vorspiel und gleichzeitig Fazit an. Die Choreografinnen Germaine Acogny, 77, und Malou Airaudo 73, beide bedeutende Repräsentantinnen ihres Fachs, erforschen die Spannungen und die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Sie helfen sich, sie trennen sich, die Verbindung bleibt. Vor rotem und später blauem Hintergrund gehen sie gemeinsam in ihren Lebensabend, zwei Größen voller Ruhe, die sich nichts zu beweisen haben. Es ist kein Wettstreit von Technik, vielmehr eine ruhige Darbietung zweier Körper, die ihr Leben dem Tanz verschrieben haben und dadurch brillieren.

Die Dualität ihrer Hautfarbe und ihres Bewegungsmaterials ist Harmonie und Dissonanz zugleich. Die Musik von Fabrice Bouillon LaForest, live gemischt, bedient sich zuerst zarter Streicher und wird im Laufe des Stückes rhythmischer. Am Ende des Stückes bleibt nur das Stampfen von Airaudos Fuß - und die Verbundenheit der beiden Tänzerinnen, die sich gegenüber sitzen.

 

Mit einer ganz anderen Grundspannung beginnt „Das Frühlingsopfer“ der 2009 verstorbenen Choreographin Pina Bausch. Hektisch, panisch und präzise schleudern die Körper Arme, Beine, Köpfe auf loser brauner Erde. Gekleidet in cremefarbene Kleider oder dunkelgraue Anzughosen leben die TänzerInnen die eindrucksvolle Choreografie in vollen Zügen. Die Bewegungen verschachteln sich als Ausdruck des gemeinsamen und individuellen Kampfes. Mit Elementen aus Ballett und Modern und vielen ruckartigen Motiven, aber auch fließenden Bewegungen, wird gezeigt: In gewissem Sinne sind sie alle das Frühlingsopfer. Am Ende des Abends sind die hellen Kleider nass und voller Erde, die Gesichter erschöpft, aber sichtlich inspiriert - von Menschlichkeit, Verletzlichkeit, Stärke und der unübertrefflichen Musik Strawinskys.

 

46 Jahre nach seiner Entstehung hat das ‘Frühlingsopfer’ einen Höhepunkt gefunden: Aktueller denn je kämpfen 28 Schwarze TänzerInnen formvollendet ums Überleben. Ein Thema, das niemanden unberührt lässt - das bezeugt auch das Publikum im Festspielhaus durch minutenlangen, frenetischen Applaus. Ein Abend, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

Nina D.

Veröffentlicht von Nina D.

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