Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!

José Montalvo präsentiert genau zur richtigen Zeit die richtige Choreografie: In Zeiten der Unsicherheit lädt der aus dem spanischen Valencia stammende Choreograf zum Träumen ein und entführt mit seiner neuesten Kreation das begeisterte Publikum des Festspielhauses St.Pölten in die fantastische Welt des Tanzes. „Gloria" ertönt wie eine jubelnde Hymne an das Leben und die Bewegung, die mit Humor und Leichtigkeit die Nabelschau der Menschheit anprangert.

José Montalvo präsentiert genau zur richtigen Zeit die richtige Choreografie: In Zeiten der Unsicherheit lädt der aus dem spanischen Valencia stammende Choreograf zum Träumen ein und entführt mit seiner neuesten Kreation das begeisterte Publikum des Festspielhauses St.Pölten in die fantastische Welt des Tanzes. „Gloria" ertönt wie eine jubelnde Hymne an das Leben und die Bewegung, die mit Humor und Leichtigkeit die Nabelschau der Menschheit anprangert.

Die Feier von Tanz und Leben

Sein jüngstes Stück ist der zweite Teil eines Diptychons, das sein vorheriges Werk „Carmen(s)" spiegelt. Gloria, vom lateinischen Ruhm und Ehre, aber vor allem vom spanischen Freude, Vergnügen, köstlich, bezeichnet die leidenschaftliche Protagonistin dieser heiteren Kreation. Mit diesem Vornamen, der an eine Frau erinnert, aber auch an den Tanz als Land des Asyls und des Widerstands, als Ort des kulturellen Austauschs und der Liebe, lässt uns der Choreograf erneut in sein warmes und fröhliches Universum eintauchen. Vivaldi ist einer der musikalischen Begleiter dieses Werks, als wolle man zeigen, dass Festlichkeit und Leichtigkeit nicht im Widerspruch zum Prestige großer klassischer Werke stehen.

Doch wer ist eigentlich Gloria? Die Antwort liegt in dreizehn Persönlichkeiten, dreizehn Tänzerinnen und Tänzern – dreizehn Glorias.
Ob aus Hip-Hop, Flamenco, klassischem oder zeitgenössischem Tanz:  In ihren Anfängen wurde ihre Lust zu tanzen oft durch die traditionellen Tanzcodes und den gewöhnlichen Konformismus vereitelt. Es hieß: zu klein, zu groß, zu dünn, zu dick, zu viel Brust, zu wenig Brust, zu arm. Doch sie kämpften gegen diese Vorurteile und entfalten nun die ganze Kraft und Sensibilität ihrer künstlerischen Handschriften, erscheinen gemeinsam in einem intimen und vielstimmigen Tanz, entschlüsseln die choreografische Sprache des jeweils anderen, entzünden ein Feuerwerk aus Leidenschaft, Sinnlichkeit und überschäumender Lebensfreude.


Ein getanztes Musical für Zeiten der Ungewissheit

Die TänzerInnen treten auf der nackten Bühne nacheinander ans Mikrofon, enthüllen ihre Identität und erzählen vom Ursprung ihrer Berufung, allen Hindernissen zum Trotz. Am Ende jeder Performance derselbe Jubelruf: „Ich bin stolz". Im Hintergrund zeigt eine riesige Leinwand die Tanzenden in groß. Diese Gegenüberstellung von Technologie und körperlicher Präsenz ist eines der Markenzeichen von Montalvos Handschrift, sowie die Konfrontation der verschiedenen Stile: Hip-Hop-TänzerInnen wagen sich an traditionelle afrikanische Tänze, Flamenco und Spitzentanz treffen aufeinander und ein Breakdancer und eine klassische Ballerina begegnen sich in einem zärtlichen und poetischen Duett.

Im Scheinwerferlicht wird außerdem deutlich, dass Gloria sich auch einige Sorgen macht: zum Beispiel über das stille Verschwinden der Artenvielfalt. Auf der großen Leinwand erscheinen Bilder von in Papierschiffen segelnden Tieren, die die Zerbrechlichkeit der Ökosysteme symbolisieren. Die Antwort darauf scheint auch im Tanz zu liegen:
„Dansez, dansez, sinon nous sommes foutus!" pflegt Gloria zu sagen, indem sie das Publikum am Ende des Stückes auch auffordert, mit den DarstellerInnen im Chor zu singen und zu tanzen, in einem Moment der Gemeinschaft und des Zusammenseins.

„Gloria" ist in ihr eine Utopie, ein irdischer Garten Eden. Ehre sei ihr!

Zélie Waxin

Veröffentlicht von Zélie Waxin

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