Vom Wirken dreier Tanzikonen

Herausragender Doppelabend im Zeichen des Austauschs:
Pina Bausch/ Germaine Acogny & Malou Airaudo „Das Frühlingsopfer/ common ground[s]“ im ausverkauften Festspielhaus St. Pölten, Sa. 9. Oktober 2021

Herausragender Doppelabend im Zeichen des Austauschs: 
Pina Bausch/ Germaine Acogny & Malou Airaudo „Das Frühlingsopfer/ common ground[s]“ im ausverkauften Festspielhaus St. Pölten, Sa. 9. Oktober 2021

Es sind drei großartige Frauen, die diesen dreifach historischen Tanzabend prägen. Allen voran Pina Bausch, die Wegbereiterin des zeitgenössischen Tanzes. Mit ihrem Tanztheater Wuppertal hat sie Generationen von ChoreografInnen und TänzerInnen geprägt. Dass ihre Arbeiten noch immer zeitlos gültig sind, zeigt die Gemeinschaftsproduktion der Pina Bausch Foundation mit der senegalesischen École des Sables und Sadler’s Wells (UK). 28 TänzerInnen aus 14 afrikanischen Ländern tanzen in einer noch nie dagewesenen Formation Bauschs Klassiker Das Frühlingsopfer“ aus dem Jahr 1975 zu Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“.

„common ground[s]“ als erster Teil des Abends ist, als Referenz auf Pina Bausch, vom Leben zweier außergewöhnlicher Frauen inspiriert: In der Uraufführung ihres poetischen Duetts begegnen sich Germaine Acogny, Tänzerin und Gründerin der an der Koproduktion maßgeblich beteiligten École des Sables im Senegal und die Französin Malou Airaudo, Ikone des Tanztheaters Wuppertal. Die beiden über 70-jährigen Frauen reflektieren ihre biografischen Parallelen und setzen damit den Stücktitel als „gemeinsame Basis“ fest. In ihrer über die Jahrzehnte individuell geprägten Bewegungssprache nähern sie sich einander an, machen sie sich zu Vertrauten. Beleuchtet vom warmen Orange einer untergehenden Sonne ist es ein Tanz, der die Ruhe und Würde eines reich gelebten Lebens ausstrahlt.

Das künstlerische Erbe Pina Bauschs wird in der von ihrem Sohn Salomon geleiteten Foundation archiviert und bewahrt. Seit einigen Jahren werden nun Choreografien wie „Das Frühlingsopfer“ an internationale Kompanien freigegeben. Für die Einstudierung fanden bereits im Dezember 2019 Auditions in Burkina Faso, Elfenbeinküste und Senegal mit insgesamt 135 TeilnehmerInnen statt. Bemerkenswert ist, dass es trotz der pandemiebedingten Erschwernisse gelungen ist, ein Ensemble zusammenzustellen das die detailreiche Bewegungssprache so derart homogen präsentiert. Der Gleichklang der Bewegungen, der kraftvolle Rhythmus der TänzerInnen zieht in den Bann. Auf dem Torf-bedeckten Boden findet ein kollektiver, ekstatischer Opfertanz statt, ein überwältigendes Ritual bis zum bitteren Ende.

Dieses außerordentliche Ensemble hat den Tanz mit betörender Kraft über den Bühnenrand hinweg mitten in das Publikum hineingetragen – minutenlanger Jubel und Standing Ovations. Ein Abend der lange nachwirken wird.

 

Cornelia Lehner

Veröffentlicht von Cornelia Lehner

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