Pure Lebensfreude in "Waxtaan"

„Waxtaan“ bedeutet in der westafrikanischen Sprache „Wolof“ so viel wie politisches Streitgespräch oder Diskussion. Der hohe Energielevel bei der gleichnamigen Choreographie von Germaine Acogny und ihrem Sohn Patrick erzeugt dennoch eine positive Atmosphäre. Dass es sich bei Politik nicht um langwierige Diskussionen handeln muss, beweist die senegalesische Companie Jant-Bi, die im Festspielhaus St. Pölten einen humorvollen Reigen um Status- und Machtspiele kreiert.

„Waxtaan“ bedeutet in der westafrikanischen Sprache „Wolof“ so viel wie politisches Streitgespräch oder Diskussion. Der hohe Energielevel bei der gleichnamigen Choreographie von Germaine Acogny und ihrem Sohn Patrick erzeugt dennoch eine positive Atmosphäre. Dass es sich bei Politik nicht um langwierige Diskussionen handeln muss, beweist die senegalesische Companie Jant-Bi, die im Festspielhaus St. Pölten einen humorvollen Reigen um Status- und Machtspiele kreiert.
 © Thomas Dorn

21 MAI 2016 Germaine Acogny: Waxtaan

Der Bezug zum Politischen ergibt sich schon in den ersten Minuten des zeitgenössischen, afrikanischen Tanzstückes. Es wird komödiantisch, wenn Männer in blauen Overalls Sesseln, Kleiderständer und einen Tisch heranholen und die Bühne für ein geschäftliches Meeting vorbereiten. Kurz setzen sie sich an den Tisch, um sich von der Arbeit zu erholen. Doch die Pause ist ihnen nicht vergönnt – sie werden von ihrem Chef verscheucht: Sowohl der Tisch, als auch die Musik, die erst mit dem Auftreten der Anzugträger einsetzt, sind der „Elite“ vorbehalten.

In zeitgemäßem Business-Outfit eröffnen die Tänzer ein Meeting. Im Laufe der hitziger werdenden Verhandlungen entledigen sie sich ihrer engen Anzüge und verhandeln schlussendlich mit aufgeknöpftem Hemd oder gar im Unterhemd. Choreographisch sind die Streitsituationen in ständigem Wandel. So landen zwei Sturköpfe in der Mitte der Bühne – fast wirken sie wie Stier und Stierkämpfer in einer Arena - während sich Schaulustige um sie sammeln. Ihre Kollegen trampeln mit den Füßen im Rhythmus der Trommelschläge und feuern sie an.

Wie schnell Rollen-Klischees gebrochen werden können, zeigt der Auftritt eines Solisten, der über seine Anzughose flott einen bunten Bastrock zieht. Seine Autorität ist damit augenblicklich dahin. Im Gegensatz zu den eher starren Bewegungen seiner „Vorredner“ schwingt er die Hüften zum virtuosen Trommelschlag der vier Live-Musiker. Die anderen Tänzer, die ausnahmsweise in die Rolle der ruhigen Beobachter schlüpfen, haben sich in einer Ecke versammelt, während das Publikum den aktiven Part einnimmt und lebhaft applaudiert.

Nach diesen 90 Minuten, die in eine völlig andere Welt entführen, überzeugen die Tänzer davon, dass sie nicht nur auf der Bühne ein gutes Team sind: Sie holen die zwei Choreographen aus dem Publikum zu sich. Wenn die Tänzer die etwas betagte Germaine Acogny am Weg zur Bühne stützen, kann man spüren, dass es sich fast um eine große Familie handelt.

Veröffentlicht von Katharina Haiböck

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