Requiem pour L.

Unser Pressesprecher Andreas Prieling war unterwegs und hat sich das Februar-Highlight im Festspielhaus-Spielplan vorab angesehen: Alain Platel und Fabrizio Cassol bringen mit "Requiem pour L." eine einfühlsame Reflexion über den Tod zur österreichischen Erstaufführung.

© Chris van der Burght

Alain Platel wird vom internationalen Feuilleton als „flämischer Kultregisseur“ gefeiert, aufgrund seiner tiefgründigen Kreationen wird er oftmals als „Psychologe und Therapeut in Europas Theaterszene“ sowie als „Humanist unter den Starchoreografen“ bezeichnet. Grund genug für mich, dem Ruf des außergewöhnlichen Theatermachers zu folgen und seine neueste Performance, „Requiem pour L.“, vorab zu sichten.

Alain Platel bereits zum dritten Mal im Festspielhaus

Die Kreationen des belgischen Ausnahmekünstlers sind gleichermaßen aufsehenerregend, mitreißend und stets von einer gewissen Brisanz. Alain Platel ist kein Unbekannter im Festspielhaus: 2013 gastierte sein „verrücktes, berührendes und überwältigendes“ (Die Presse) Gesamtkunstwerk „C(h)œrs“ in St. Pölten. In einem Mix aus Tanz- und Musiktheater wurde, gemeinsam mit den Tonkünstlern als Live-Orchester, die Verbindung zwischen Richard Wagner und Giuseppe Verdi auf einfühlsame und poetische Art und Weise betrachtet.  Zu Saisonschluss 2015/2016 präsentierte Platel „En avant, marche“ – eine genresprengende Performance, in der sich ein aufrauschender Überlebenswille dem nahenden Tode des Protagonisten entgegenstellte.

© Chris van der Burght

Ein Requiem zum Abschied

Der nahende Tod steht, wenn auch unter anderen Vorzeichen, in seiner neuesten Kreation ebenfalls im Mittelpunkt. Im Ankündigungstext ist von einer „Totenmesse als Feier des Lebens“ zu lesen – und tatsächlich liegt der Performance, die Platel selbst vielmehr der Gattung Oper zuordnet, eine zeitgenössische Rekonstruktion von Wolfang Amadeus Mozarts unvollendetem Requiem zugrunde. Die Komposition von Fabrizio Cassol ist ein Hybrid aus Mozarts Original und musikalischen Einflüssen aus allen Teilen der Welt, interpretiert von virtuosen Musikerinnen und Musikern aus dem Kongo, aus Südafrika, Brasilien und Europa.

„Requiem pour L.“ ist zugleich eine filmische Dokumentation über das stille Abschiednehmen einer anonymen Frau – einer Bekannten Alain Platels – die sein Werk sehr schätzte und dem Theatermacher die explizite Einwilligung gab, ihr Ableben auf Celluloid zu bannen. Die vor der Projektion agierenden Musikerinnen und Musiker begleiten sie auf ergreifende, respektvolle und pietätvolle Art und Weise in den Tod – demütig gleichermaßen Leben und Tod würdigend und feiernd. Alain Platel will den Tod unmittelbar zeigen, denn „der Tod ist das große Thema des Lebens und er muss nicht unbedingt etwas sein, was Angst macht“. 

Mein Fazit

Am Ende blieb bei mir das Gefühl, „L.“ für ihren Mut, den Tod etwas weiter in die Mitte des Lebens gerückt zu haben, aus tiefsten Herzen dankbar zu sein. Die Performance verband für mich Lebensfreude, Zuversicht und Mut mit Trauer, Verzweiflung und Wut. Dem Tod wurde einerseits durch seine Unmittelbarkeit und andererseits durch seine Unausweichbarkeit für Jedermann etwas von seiner Dramatik genommen – ihm wurde ein Stück weit neues Leben eingehaucht.

 

sa 23/02 les ballets C de la B: Requiem pour L.

 

Text: Andreas Prieling

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