Corona Mattata – dieses Wort hör ich nicht mehr gern

Ein Bericht aus der Selbsisolation von Isabella Kämmerer

Die Welt im Energiesparmodus. Ein Virus breitet sich aus und die sonst so globalisierte und vernetzte Welt, in der alles immer schneller, weiter, besser werden muss, wird in den Shut-Down geschickt. Die Gesellschaft teilt sich plötzlich in systemrelevant und nicht systemrelevant. Das Leben von manchen hat sich kaum verändert, das Leben von anderen hingegen sehr.

Ich bin eine* derer, bei der plötzlich das ganze Leben in einem 25m2 Raum stattfindet in einem Gemeindebau im 15. Bezirk („Rudolfscrime ist mein Rudolfsheim“). Ich wohne alleine. Und chatte, skype, tippe, nehme auf, flirte und telefoniere mit anderen und schaue dabei immer auf einen Bildschirm oder habe ihn an mein Ohr gepresst. Ich tanze, spiele, zeichne, sehe Inszenierungen, besuche Vorlesungen, höre zu und blicke doch immer nur auf eine zweidimensionale Fläche. Meine Welt ist plötzlich sehr klein geworden.

In vielen Momenten vermisse ich den Austausch, die Lebendigkeit, Berührung und auch Leichtigkeit. Ich vermisse das Abschalten und das Rauskommen. Das achtlos sein. Und einer Person begegne ich ständig, ich komme ihr nicht aus: Mir selbst.

Ich erlebe mich, höre genau hin, fühle, was mich bewegt, was mich erstaunt, aufregt, zum Lachen bringt. Ich bin mir ganz nah. Dieser Zustand ist in manchen Momenten furchtbar schön und in manchen furchtbar anstrengend. Ich halte inne und spüre. Und lerne, was ich auf eine andere Weise nicht lernen könnte. Jetzt ist die Zeit, für die sonst nie Zeit blieb: Es ist die Zeit, mir selbst zu begegnen, mir nahe zu kommen und inne zu halten. Mir Raum zu geben und einfach nur für mich da zu sein zwischen all den Herausforderungen des neuen Alltags, die es gerade zu bewältigen gilt.

Haruki Murakami schreibt in „Kafka on the Shore“: „When you come out of the storm, you won’t be the same person who walked in. That’s what this storm’s all about.“ Diese Worte bewegen mich ungemein. Ich spüre gerade am ganzen Körper, dass ich genau in so einem Sturm bin und dass eine Zeit der Veränderung ansteht. Zeiten voller Gefühlswogen und Zeiten kristallklarer Stille. Alles ist anders. Alles wird anders sein.

 

Von Isabella Kämmerer

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