Stillstand

von Lisa Müller

Ich schließe die Augen.

Und aus der Schwärze formen sich langsam, langsam schwarz-weiß gestreifte Sitze. Reihen sich aneinander. Ich muss lächeln. Sie erinnern mich an Strandkörbe.

Unten erkenne ich allmählich die Bühne, sie meißelt sich Stück für Stück aus der Dunkelheit heraus. Ich kann sehen wie der Boden im Scheinwerferlicht glänzt.

Im Saal breitet sich Spannung aus, sie tropft wie Wasser von den Wänden, fließt die Stufen hinab, langsam auf die Bühne zu. Der Saal scheint zu warten. Auf Besucher, die die Reihen füllen. Auf Tänzer, die die Bühne zum Leben erwecken. Aber nichts.

Es ist nicht möglich.

Die Welt steht still. Der Saal des Festspielhauses ist leer, seltsam entrückt. Die Einsamkeit entfremdet. Der verlassene Ort macht Angst. Kann es überhaupt Kunst geben in so einer Welt?

Kunst kann nicht stillstehen. Es liegt in ihrer Natur immer weiter zu streben, zu wachsen, sich neu zu erfinden und aufzubegehren gegen die Stille. Und gerade, wenn es scheint, als wäre die Zeit eingefroren, dann trügt der Schein, dann beginnt es unter der Oberfläche zu brodeln bis schließlich neue Ideen hervorbrechen und neue Gedanken aus der Stille geboren werden.

Kunst kann nicht stillstehen.

Und das Festspielhaus auch nicht.

Vor meinem inneren Auge sehe ich immer noch den Saal, die Bühne und ich weiß, all dies und noch mehr wartet auf uns.

 

Von Lisa Müller

 

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