Von Brigitte Fuchsbauer

Es klopft an meine Garderobentür. Noch fünf Minuten. Ich atme tief ein. Mach mich bereit für die mittlerweile dreißigste Aufführung. Ich bin müde, muss mich motivieren. Wie wird dieses Publikum sein, zäh und verhalten oder quirlig und an meiner Seite? Gleich brauch ich all meine Energie - noch kurz die Reihenfolge Revue passieren lassen. Ich mach mich auf den Weg, steh hinter dem Vorhang. Jetzt kommt mein Einsatz. Lampenfieber packt mich - altbekannt, gehasst und geliebt. Ich richte mich auf, Körperspannung, Konzentration, und betrete die Bühne. Ich sehe die Menschen, die gespannt auf mich warten. Ich spür euch, eure Erwartungen und eure Emotionen. Wir sind ein Paar, ihr und ich. Ein Glücksgefühl durchströmt mich, Ich lasse mich tragen.

Das war vor zwei Monaten. Heute Abend stehe ich vor einer Kamera. Ich weiß, dass viele Menschen zusehen und ich absolviere meinen Part fehlerlos und routiniert. Ohne Emotionen und ohne Glücksgefühl. Ich performe für euch, aber nicht mit euch. Ich funktioniere, aber ich lebe nicht.

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