Hallo, hallo - da war ja was?
„Mirage“: Betrachten wir die Welt einmal als etwas, dessen Bestandteil wir sind, und verändern wir dadurch unsere BlickweiseEins, zwei, drei …. Vorhang auf. Die Bühne wird von einem schrägen Boden beherrscht, der bis in die Mitte aufragt. Nebel fällt wie eine Föhnwelle über die Bühne, gelbe Lichter im Hintergrund lassen das Innere eines Vulkankegels vermuten. Langsam schälen sich die Tänzer und Tänzerinnen aus dem Kegel heraus, ihre Körper glitzern wie Ritterrüstungen. Sie bewegen sich jedoch wie Faultiere: sehr langsam. … 612, 613, 614 ...
Mirage von Damien Jalet und Kohei Nawa begibt sich auf die Suche nach der Essenz der Menschlichkeit. Die Inszenierung der fortwährenden Metamorphose von Lebewesen und Elementen ist wunderbar gelungen. Der Tanz alleine wäre nichts ohne die technische Unterstützung und die Technik wäre nichts, ohne die Tänzer:innen. Die Musik, auch wenn man nicht immer von Musik sprechen kann, die Geräusche, die Rhythmen runden das Bild ab. Menschen, mit Erfahrungen des Genusses gewisser „chemischer Mixturen“ hatten da wohl ein paar Aha-Momente. Ein gelungener Abend, der durch den bewussten Verzicht auf helles Licht viel Raum für Eigeninterpretationen lässt.
Das Licht nimmt zu, der Nebel quillt bis in die ersten Publikumsreihen. Die Tänzer:innen bilden eine Qualle, die sich pumpend wie im Meer fortbewegt. Die Bilder erinnern an ein Kaleidoskop, das sich im Takt der Trommelklänge stetig wandelt.
Wasser plätschert wie bei einem kleinen Wasserfall von der Decke herunter. Zuerst erkennt man einen, dann einen weiteren, bis die Bühne wie von Säulen durchzogen wirkt. Langsam verändert sich das Bild und es fällt Glitzer auf die Bühne, viel Glitzer. … 2123, 2124, 2125 ...
Im Schneckentempo zentrifugieren die Tänzer:innen in die Mitte der Bühne, bis sie sich in einem Menschenknäuel vereinen, der aussieht wie ein veganer Wurstsalat. Sie werden zu einem Herz und verändern ihre Form. Sie bilden einen Wurm, nein, einen Tausendfüßler und bewegen sich zur Musik, die klingt, als würde man eine Panzerhaubitze abschießen und darauf den Einschlag hören. Unablässig Buum - Buum, Buum - Buum. Bei diesen Klangbildern läuft es dem Zuseher und Zuhörer mit einschlägigen Erfahrungen kalt über den Rücken. Der Vorhang fällt. ... 3598, 3599, 3600 … (Metronom Ende).