Rampenlicht
With a growing installation by photographer Franzi Kreis, the Festspielhaus St. Pölten is launching an extraordinary artistic intervention.
Opening/Photography Throughout the entire season 2025/2026, a visual archive has been created comprising portraits, snapshots and atmospheric backstage photography – captured through Franzi Kreis’s subjective lens. The artist accompanies acts such as the Dresden Dolls, dancers from the Tanztheater Wuppertal and the Ballet Nacional de España, distilling their performances into a poetic visual world that bridges the gap between what happens on stage and the emotions evoked. To mark the start of the new 2026/2027 season, the exhibition will be expanded to include further exciting works that offer a deeper glimpse behind the scenes.
Franzi Kreis, bekannt durch Projekte wie Finding Motherland, arbeitet mit Fotografie, Audio und Film. Arbeiten u. a. für die Wiener Festwochen, die Wiener Staatsoper und zuletzt das Herbert-Pixner-Projekt ergänzen ihre künstlerische Produktion. Von 2022–2024 war sie in 47 ausverkauften Vorstellungen am Volkstheater Wien in Die Scham von Annie Ernaux zu sehen, für die sie eine performative Dunkelkammer-Installation konzipierte. 2025 erschien ihr erster Comic, im Dezember folgte eine Soloausstellung in Buenos Aires.
Interview
Als Fotografin begleitest du das Geschehen im Festspielhaus abseits der Bühne. Gibt es einen besonderen Moment oder ein Erlebnis hinter den Kulissen, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gab einen wahren Dream-Come-True-Day: der Tag, den ich mit Meryl Tankard und der Pina Bausch Kompanie verbringen durfte. Die Arbeit von Pina Bausch ist eigentlich daran Schuld, dass ich überhaupt Tanzfotografin geworden bin. Vor vielen Jahren, als ich nichtsahnend den genialen Film „Pina“ von Wim Wenders sah und es um mich geschehen war. Ich kam also an einem Oktobertag 2025 auf die Probebühne im Festspielhaus, meine Kamera umgehängt und alle wussten schon Bescheid. Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte, betrat ich ziemlich aufgeregt den Tanzboden. Es stellte sich die gesamte Kompanie im Halbkreis um mich herum und alle Tänzer:innen stellten sich mir namentlich vor. Die Bilder, die an diesem Tag entstanden, werde ich sicher immer im Herzen und im Archiv mit mir herumtragen.
Worauf achtest du, wenn du Menschen, Proben oder Aufführungen fotografierst? Was macht für dich ein Foto aus, das eine Geschichte erzählt und die besondere Stimmung des Moments einfängt?
Eine wichtige Entscheidung fällt schon beim Packen der Fototasche. Ganz anders als bei anderen Fototerminen, versuche ich so wenig wie möglich mitzubringen, meist habe ich maximal zwei Objektive in Verwendung. Über das Weglassen entsteht im besten Fall eine spezielle Art der Konzentration, die sich noch dadurch verdichtet, dass man hinter den Kulissen nur einen sehr reduzierten Bewegungsradius und oft noch reduziertere Lichtverhältnisse hat. Dann gibt es eigentlich nur einen Ratgeber, das Bauchgefühl: Man kann nicht an allen Orten zugleich sein, es gibt Episoden, in denen visuell in der eigenen Sichtachse wenig passiert, das muss aber nichts heißen: oft werde ich für eine Wartezeit mit plötzlicher Action belohnt. Ich versuche, unter allen Umständen nicht im Weg zu stehen. Es werden oft ganz plötzlich große Bühnenelemente geschoben oder es gibt schnelle Abgänge, Aufgänge, Kostümwechsel. Da liegt in der Ruhe die Kraft, auch weil dann mitunter kurze Begegnungen und Blickwechsel entstehen können.
Durch deine Arbeit erlebst du das Festspielhaus aus einer ganz eigenen Perspektive. Was möchtest du mit deinen Bildern dem Publikum zeigen, das Besucher:innen normalerweise nicht zu sehen bekommen?
Das Festspielhaus ist ein unglaublich internationales (Tanz-)Haus, das es dem Publikum ermöglicht, Hits aus ganz Europa und der Welt aus nächster Nähe zu betrachten. Die Größe der Bühne und die Architektur spielen natürlich zudem eine wichtige Rolle. Zugleich erlebe ich als Fotografin wahnsinnig persönliche, menschliche Momente. Nicht zuletzt deswegen habe ich mich in meiner Kunstinstallation neben großformatigen Tapeten für Versatzstücke einer alten Theatergarderobe entschieden und auch einige historische Bilderrahmen eingewebt. Ich erlebe Hochleistungsprofis, Adrenalin, Menschen, die ihr Leben und meist Jahrzehnte an Training einer ganz speziellen Kunst gewidmet haben und sich im Zenit ihres Schaffens befinden. Ich erlebe gebannte, gespannte Konzentration. Ein besonderer Moment, diesmal ein musikalischer, war das Soap&Skin Konzert im März 2026. Ich durfte mich ganz frei bewegen. Ein unglaublicher Vertrauensvorschuss. Einige Fotografien sind tatsächlich während dem Konzert beinahe auf der Bühnenkante, aber gerade noch im Off entstanden. Das Lustige ist, dass ich das Gefühl habe, Bühnenadrenalin kann sogar überpringen. Oft bin ich nach solch aufregenden Terminen bis spät am Abend hellwach und beinahe high vom Rampenlicht, in dessen Schatten ich mich so gerne aufhalte.