Tanzkritik

Begegnungen und Hoffnungen im Triptychon

Ein spannendes Unterfangen: Die kanadische Ballet BC Tanzcompagnie setzte drei verschiedene choreografische Arbeiten an einem Abend um. Kann das funktionieren, geht das Konzept auf und findet eine durchgängige Erzählung statt?
von Peter Hofstätter, 07 OKT 2026
Video trailer of the Triple Bill danced by the Ballet BC.

Beginnend mit dem ersten Teil SWAY, choreografiert von Medhi Walerski, bewegen sich die Körper zu elektronischen Beats. Die Bühne wurde baulich erhöht und gewinnt dadurch an optischer Tiefe. Die Idee von SWAY ist, Hoffnung zu vermitteln, in Beziehungen, in der Kommunikation. Verstärkt durch gedimmtes Licht entwickelt sich im Zusammenspiel mit den Tänzer:innen eine Leichtigkeit, die dem Thema gerecht wird. Die Tänzer:innen bewegen sich rhythmisch und fließend, entweder einzeln oder im Kollektiv, mal gegenseitig abstoßend, mal anziehend. Es entsteht eine Kommunikation ohne Worte, die trotzdem vermittelt zwischen dem Einzelnen und der Gruppe. Inspiriert durch ein Gedicht von Emily Dickinson entwickelt sich eine fragile und widerstandsfähige Szenerie, die die Ambivalenz zwischen Aufgabe und Hoffnung auf die Bühne bringt.

Für den zweiten Teil des Abends wurde die Bühne auf das übliche Niveau zurückgebaut. Obsidian, von Bobbi Jene Smith & Or Schraiber wirkt im Gegensatz zum ersten Teil nahezu wie klassisches Ballett. Die Tänzer:innen werden dabei live von einer Pianistin begleitet, wobei die Klavierwerke aus den 1920er Jahren, von George Gurdjeff und Thomas de Hartmann, stammen. Die Bühne ist in helles, weißes Licht getaucht. Die Tänzer:innen vermitteln Distanz, ein anderes Mal Nähe, als stünden sie im ständigen Austausch zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit. Stand im ersten Teil die Hoffnung im Mittelpunkt, geht es hier um das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Eine fast ungezwungene Atmosphäre entwickelt sich zwischen den handelnden Personen, eine weitere Art von nonverbaler Kommunikation, die mit Gesten romantisierend wirkt.

Im dritten Teil ist die Bühne dunkel, und auch die 24 Tänzer:innen sind vollkommen in schwarz gekleidet. In Frontier von Crystal Pite verschwimmen die Grenzen zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Die Szenerie wirkt, als würden sich Ameisen über den Bühnenboden bewegen und ihre wie auch immer gearteten Aktivitäten umsetzen. Auch die Musik tritt dabei in den Hintergrund und wirkt als zufällige Begleiterscheinung. Als möchte uns die Choreografin mitteilen, dass Grenzen von Wirklichkeiten verschwimmen, dass Hoffnungen schwinden und die Vergänglichkeit von Beziehungen alltäglich wird. Frontier ist eine gelungene Inspiration, um darüber nachzudenken, was ein Individuum ausmacht, wie „communicare“ noch zu verstehen ist und welche Möglichkeiten es gibt, sich mitzuteilen.

Ist nun der Abend gelungen? Durchaus! Die Darstellungen von Hoffnungen über Nähe und Gemeinsamkeiten hin zu Vergänglichkeit und Zweifel wirken über unterschiedliche Kommunikationskanäle. Schade nur, dass – wahrscheinlich aus organisatorischen Gründen – eine längere Pause zwischen zweitem und drittem Teil notwendig war. Dadurch ergab sich ein Bruch. Insgesamt lieferte die Ballet BC Tanzcompagnie einen gelungenen Abend, der menschliches Dasein in seiner Komplexität darstellt.  

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